Ganz leise - Alexander Herzen - Gedicht


Ganz leise

über Else Lasker-Schüler

fast lautlos
eilt vom Wort zum Wort
der Wolkenschatten
manchem Ort
mehrmals die Träne schenkend

fast lautlos
flirtet mit dem Tod
der Schmetterling
dem greift der Gott
unter die Flügel lenkend

fast lautlos
trägt der freie Fall
des Blütenblattes
Muttermal
gleich seinem innren Kinde

fast lautlos
schaukelt vor sich hin
der Sichelmond
auf seinem Kinn
gerührt vom Sonnenwinde

fast lautlos
gleitet über Eis
der Wasserläufer
stets im Kreis
und scheint beinah zu schweben

fast lautlos
dreht den Federkranz
die Schleiereule
um den Glanz
des Lenzes zu erleben

fast lautlos
mischt der Wimpern Schlag
die Farbenpracht
wenn sie erwacht
zum satten Blutbadbraun

ganz laut
schrillt in uns hinein
ihr Geist
der Bretter ausreißt
aus unsrem goldnen Zaun

.

fast lautlos
stolpert über Punkt
das Augenlicht
das Weiß besticht
zum neuen Traum

© Alexander Herzen, 2008

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 08. September 2009 22:49

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