Zwiebelfisch - von Bastian Sick


Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige, was wcthiig ist, ist dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion sehten. Der Rset knan ttoaelr Bsinöldn sien, todzterm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das legit daarn, dsas wir nihct jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gnaezs.

Übersetzung des Textes:

Gemäß einer Studie einer englischen Universität ist es nicht wichtig, in welcher Reihenfolge die Buchstaben in einem Wort sind, das einzige, was wichtig ist, ist dass der erste und der letzte Buchstabe an der richtigen Position stehen. Der Rest kann totaler Blödsinn sein, trotzdem kann man ihn ohne Probleme lesen. Das liegt daran, dass wir nicht jeden Buchstaben einzeln lesen, sondern das Wort als Ganzes.

Quelle: (alle Rechte beim Verlag und Autor des Buches)

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache
von Bastian Sick Verlag: KiWi

Zwiebelfisch = eigentlich der Name eines Fisches. Seine Eigenschaften (gesellig, oberflächlich, strömungsscheu) sind nicht gerade für den Namen einer Kolumne geeignet, die der deutschen Sprache auf den Grund gehen möchte. Jedoch hat "Zwiebelfisch" eine zweite Bedeutung: es ist die Bezeichnung für falsch gesetzte Schriftarten innerhalb eines Wortes. Da Bastian Sicks Kolumne sich die Aufgabe gestellt hat, "falsch gesetzte" Wörter aufzudecken, passte dieser Name ideal.

Ich möchte hier einige Interessante Beiträge, die ich im Netz und im Buch gefunden habe zusammenfassen. Genauere und vollständige Texte entnehmen sie bitte dem Buch (Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache von Bastian Sick Verlag: KiWi) oder besuchen Sie einfach die Kolumne im Internet (Die Zwiebelfisch-Kolumne ist im Internet zu finden unter: Spiegel.de/Zwiebelfisch)

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Kapitel 2: Deutschland, deine Apostroph's

Kapitel 3: Visas - die Mehrzahl gönn ich mir

Kapitel 4: Babylonische Namensverwirrung

Kapitel 5: Das Elend mit dem Binde-Strich

Kapitel 6: Das Verflixte dieses Jahres

Kapitel 7: Italienisch für Anfänger

Kapitel 8: Bratskartoffeln und Spiegelsei

Kapitel 9: Streit und kein Ende

Kapitel 10: Deutsch als Amtssprache der USA

Kapitel 11: Ich erinnere das nicht

Kapitel 12: Sind rosane T-Shirts und lilane Leggins erlaubt?

Kapitel 13: In Massen geniessen

Kapitel 14: Das Ultra-Perfekt

Kapitel 15: Cäsars Kampf gegen die starken Verbier

 

Kapitel 1: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Der Dativ ist des Genitivs Freund und Gehilfe. Er springt zum Beispiel dann ein, wenn es gilt, einen doppelten Genitiv zu vermeiden ("laut dem Bericht des Ministers" statt "Laut des Berichts des Ministers") und wenn im Plural der Genitiv nicht erkennbar ist ("wegen Geschäften" statt "wegen Geschäfte").

angesichts mit Genitiv angesichts des dichten Verkehrs; angesichts vieler neuer Probleme
aufgrund / auf Grund mit Genitiv aufgrund schlechten Wetters; aufgrund falscher Vorhersage; aufgrund seines Gedächtnisses
aufgrund von / auf Grund von mit Dativ aufgrund von schlechtem Wetter; aufgrund von Zeugenaussagen
dank mit Genitiv dank seines guten Rufs
einschließlich (vor bekleidetem Hauptwort) mit Genitiv einschließlich seines Vermögens; einschließlich des Portos
einschließlich (vor unbekleidetem Hauptwort) mit Genitiv / mit Dativ einschließlich Portos / einschließlich Porto
entgegen mit Dativ entgegen anders lautenden Behauptungen; entgegen seinem Wunsch
entsprechend mit Dativ entsprechend seinen Angaben; entsprechend dem Gesetz
gemäß mit Dativ gemäß dem Gesetz; dem Alter gemäß
infolge mit Genitiv infolge des letzten Krieges; infolge (des) schlechten Wetters
infolge von mit Dativ infolge von Krieg und Hungersnot
innerhalb/außerhalb mit Genitiv innerhalb des Geländes; außerhalb der Öffnungszeiten
kraft mit Genitiv kraft seines Amtes; kraft des ihm verliehenen Titels
laut (vor bekleidetem Hauptwort) mit Genitiv laut eines Zeitungsberichtes; laut seines Befehls
laut (vor unbekleidetem Hauptwort) mit Dativ laut Zeitungsbericht; laut Befehl
mittels mit Genitiv mittels eines Zauberspruchs; mittels vieler kleiner Schritte
nahe mit Dativ nahe dem Dorf; nahe dem Fluss; ein Grundstück nahe dem Flugplatz
namens mit Genitiv namens ihres Vaters; namens des Vereins
seitens mit Genitiv seitens seiner Eltern; seitens des Publikums
statt mit Genitiv statt des Vaters kam der Sohn; statt der Frau öffnete ihm das Kind
trotz (vor bekleidetem Hauptwort) mit Genitiv trotz des schlechten Wetters; trotz deiner gut gemeinten Worte
trotz (vor unbekleidetem Hauptwort) mit Genitiv / mit Dativ trotz Regen(s); trotz Stau(s)
unweit mit Genitiv unweit des Dorfes; unweit des Flusses; ein Platz unweit des Eingangs
während mit Genitiv während des Krieges; während seines zweiten Besuchs
wegen (vor bekleidetem Hauptwort) mit Genitiv wegen des schlechten Wetters verschoben; wegen ausbleibender Gäste geschlossen
wegen (vor unbekleidetem Hauptwort) mit Genitiv / mit Dativ wegen Mord(es) angeklagt; wegen Umbau(s) geschlossen
zufolge (vorangestellt) (selten) mit Genitiv zufolge des Berichtes; zufolge seiner Freunde
zufolge (nachgestellt) mit Dativ dem Bericht zufolge; seinen Freunden zufolge

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Kapitel 2: Deutschland, deine Apostroph's

Der Gebrauch des Apostrophs im Überblick

Wo ein Apostroph gesetzt werden kann:

Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo das Pronomen "es" zu "s" verkürzt ist:

Wie geht's? Nimm's leicht! Hat's geschmeckt? Hat er's kapiert? Sag's mir! So steht's geschrieben. Wirf's weg! Mach's gut, Alter! Hol's der Teufel! Wenn's weiter nichts ist. Um's kurz zu machen...

Seit Zulassung der Rechtschreibereform gilt hier der Apostroph als entbehrlich, man darf daher auch schreiben:

Wie gehts? Nimms leicht! Hat's geschmeckt? Hat ers kapiert? Sags mir! So stehts geschrieben. Wirfs weg! Machs gut, Alter! Hols der Teufel! Wenns weiter nichts ist. Ums kurz zu machen...

Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo jemand ein Gewerbe eröffnen und dazu ein Schild mit Genitiv anbringen will:

Bellini's Bar; Gerti's Grillstation; Willi's Weinkontor

Der Apostroph kann gesetzt werden, wenn der unbestimmte Artikel "ein/eine" zu "n" verkürzt ist, was vor allem bei der Wiedergabe von gesprochener Sprache auftritt:

Was 'n Glück! Haste mal 'nen Euro? So 'n Blödsinn! Steffi ist 'ne tolle Sportlerin.

In allen Fällen dieser "Kann"-Kategorie bleibt es dem Schreibenden selbst überlassen, ob er einen Apostroph setzen will oder nicht.

 

Wo ein Apostroph nicht (mehr) gesetzt werden sollte:

Für das weggefallene Endungs-e bei Verben in der ersten Person Singular:

Ich steh im Regen und warte auf dich. Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich mir der Königin Kind. Das lass ich mir von dir nicht sagen!

Für das weggefallene Endungs-e beim Imperativ der zweiten Person Singular:

Lass es bleiben! Mach die Tür zu! Halt den Mund! Nun heul nicht schon wieder, Daniel!

Im Unterschied zur alten Regelung steht für das weggefallene Endungs-e heute grundsätzlich kein Apostroph mehr. Schon früher entfiel er bei Redewendungen und Fügungen, die häufig gebraucht werden und als unmissverständlich gelten:

Freud und Leid; gut Wetter machen; ruhig Blut bewahren; öd und leer; heut und hier

 

Wo ein Apostroph nicht gesetzt werden darf:

Der Apostroph wird nicht gesetzt bei Verschmelzung von bestimmtem Artikel und vorausgehender Präposition:

aufs Dach, unters Bett, ins Haus, hinterm Deich, unterm Tisch, beim Essen, vorm Tor, fürs Kind, durchs Fenster, vors Auto, überm Harz

Absolut fehl am Platz ist der Apostroph beim Plural-s:

Autos, Babys, Clubs, Dias, E-Mails, Gullys, Parks, Ponys, Singles, Shorts, Taxis, Tees, Videos, Zoos

Dasselbe gilt für Abkürzungen, die im Plural stehen. Auch hier wird kein Apostroph gesetzt, oftmals braucht nicht mal ein s angehängt zu werden:

alle ABM(s), meine CDs, deine DVDs, die GmbHs, alte LPs, drei LKW(s), viele PKW(s)

Völlig indiskutabel ist auch die Apostrophierung von Wörtern, die auf -s enden:

nichts, rechts, allseits, bereits, stets, nirgends, eigens, unterwegs

 

Wo ein Apostroph gesetzt werden muss:

Bei Auslassung im Wortinneren:

Ku'damm, M'gladbach, Lu'hafen, D'dorf

Bei der Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x auslauten. Der Apostroph ersetzt hier das Genitiv-s:

Hans' Mutter, Max' Cousine, Grass' Romane, Ministerin Zypries' Gesetzesentwurf, Ringelnatz' Gedichte

Dies gilt aber nicht, wenn vor dem Namen ein bestimmter Artikel (plus Attribut) steht:

die Mutter des alten Hans, die Cousine des strammen Max, die Romane des Günter Grass, des Gesetzentwurf der Ministerin Zypries, die Gedichte des Joachim Ringelnatz

 

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Kapitel 3: Visas - die Mehrzahl gönn ich mir

Wenn Fremdwörter sich lange genug im Land aufhalten,

werden sie irgendwann nicht mehr als fremd empfunden. Den häufig gebrauchten Wörtern gelingt es in der Regel, sich zu assimilieren: Sie nehmen deutsche Schreibweisen an und erhalten deutsche Endungen. Das lateinische Wort "focus" (das ursprünglich "Herd", "Feuerstelle" bedeutete) ist im Deutschen zum Fokus (=Brennpunkt) geworden, die Mehrzahl, die im Lateinischen noch "foci" lautet, heißt im Deutschen Fokusse. Der Plural des berühmten Kommas darf sich neben der wissenschaftlichen Form "Kommata" längst Kommas nennen, und "mehrere Atlanten" sind auf Deutsch inzwischen auch als "mehrere Atlasse" zu haben.

Manche Fremdwörter assimilieren sich sogar doppelt, sodass sie am Ende mehrere gültige deutsche Formen vorweisen können: So erging es zum Beispiel der Pizza, die analog zu anderen mit einem Vokal endenden Wörtern wie Auto, Kino, Tipi, Lady, Rikscha zunächst ein Plural-s erhielt. Es zeigte sich, dass die Deutschen derart vernarrt in die Pizza waren, dass das Wort einen weiteren Anpassungsschritt vollzog. Die Mehrzahl erhielt eine typisch deutsche Endung auf -en, wie man sie von Frauen, Herren, Affen und Läusen kennt. Seitdem schwirren die beliebten "Mafiatorten" bei uns sowohl als Pizzas als auch als Pizzen herum.

 

 

Problematische Fremdwörter in Einzahl und Mehrzahl

 

Agenda Agenden
Album Alben
Antibiotikum Antibiotika
Apostroph Apostrophe
Atlas Atlanten, Atlasse
Causa Causae
Chaos - (unzählbar)
Corpus Delicti Corpora Delicti
Datum Daten
Dementi Dementis
Exitus - (unzählbar)
Fauxpas Fauxpas
Forum Foren, Fora
Genus Genera
Globus Globen, Globusse
Grand Prix Grands Prix
Humus - (unzählbar)
Index Indizes, Indexe
Internum Interna
Kaktus, Kaktee Kakteen
Kasus Kasus
Klima Klimata, Klimas (selten), Klimate (fachspr.)
Kodex Kodizes, Kodexe
Komma Kommata, Kommas
Lapsus Lapsus
Lexikon Lexika, Lexiken
Liga Ligen
Modus Modi
Niveau Niveaus ("niveaux" nur frz.)
Nomen Nomina, Nomen
Opus Opera
Passus Passus
Periodikum Periodika
Perpetuum mobile Perpetua mobilia
Pharmakon Pharmaka
Plenum Plenen
Praktikum Praktika
Schema Schemata, Schemas, Schemen (selten)
Semikolon Semikola, Semikolons
Status Status
Szenario Szenarios
Szenarium Szenarien
Thema Themata, Themen
Tonikum Tonika
Topos Topoi
Turnus Turnus, Turnusse
Universum Universen
Visum Visa, Visen
Vita Viten, Vitae (lat.)

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Kapitel 4: Babylonische Namensverwirrung

Land Bewohner
Andorra Andorraner
Angola Angolaner
Bangladesch Bangladescher
Barbados Barbadier
Elfenbeinküste Ivorer
Ghana Ghanaer
Irak Iraker
Irland Irländer, Iren
Jemen Jemeniten
Kongo Kongolesen
Kuweit Kuweiter
Laos Laoten
Madagaskar Madagassen
Myanmar (Birma, Burma) Burmesen
Namibia Namibier
Nepal Nepalesen
Niger Nigrer
Nigeria Nigerianer
Pakistan Pakistaner
Panama Panamaer
Paraguay Paraguayer
Philippinen Philippiner
Slawonien Slawonen
Slowakei Slowaken
Slowenien Slowenen
Taiwan Taiwaner
Thailand Thailänder
Tibet Tibeter, Tibetaner
Togo Togoer, Togolesen
Venezuela Venezolaner
Zypern Zyprer, Zyprioten (veraltet)

 

Sagt man "im Irak" oder "in Irak"? Heißt es "auf Kuba" oder "in Kuba"?

Zunächst einmal gilt es eine Unterscheidung zu treffen zwischen Landschaftsnamen und Staatennamen. Namen von Landschaften und Regionen werden in der Regel immer mit Artikel genannt: der Breisgau, die Toskana, das Elsass, der Balkan, die Pfalz, das Kosovo.

Staatennamen hingegen sind meistens artikellos: Afghanistan, Deutschland, Österreich, Zypern...

Doch es gibt ein paar Ausnahmen: Ist der Name weiblich, so wird er mit Artikel gebraucht: die Schweiz, die Türkei, die Ukraine. Ebenfalls mit Artikel werden Staatennamen im Plural gebraucht: die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Niederlande. Und schließlich steht ein Artikel, wenn der Staatenname männlich ist. Allerdings gibt es keine fest definierte Gruppe von männlichen Staatennamen. Vielmehr haben alle, die hier in Frage kommen, ein schwankendes Genus, sie können sowohl männlich als auch neutral sein. Dazu gehören Irak, Libanon, Jemen, Iran, Sudan, Tschad und Kongo. Während das Auswärtige Amt empfiehlt, diese Staaten ohne Artikel zu nennen, wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Nennung mit Artikel praktiziert. Da heißt es dann entsprechend im Kongo, in den Jemen, aus dem Libanon, durch den Tschad, in den Irak.

Wenn in Nachrichtentexten über den Irak der Artikel fehlt, so geht dies seltener auf die Empfehlung des Auswärtigen Amtes zurück, häufiger lässt es auf eine englischsprachige Quelle schließen. Briten und Amerikaner verwenden das Wort "Iraq" grundsätzlich artikellos. Beim Übersetzen aus dem Englischen wird der deutsche Artikel bisweilen vergessen.

Mal mit und mal ohne Artikel findet man auch (den) Irak genannt. Während "Persien" eindeutig neutral war (jedenfalls in grammatischer Hinsicht), ist das Genus bei "Iran" im Deutschen nicht eindeutig festgelegt. Auch hier ist die Landessprache ausschlaggebend: Da das Persische keine Artikel kennt, hat "Iran" (was übrigens "Land der Arier" bedeutet) keinen.

Es gibt in dieser Frage kein richtig oder falsch; jedem steht es frei, sich im Falle von Irak, Iran etc. zwischen dem traditionellen Gebrauch mit Artikel und dem amtlichen Gebrauch ohne Artikel zu entscheiden.

 

Eine andere häufig gestellte Frage im Zusammenhang mit Staatennamen lautet: Heißt es "auf Kuba" oder "in Kuba"? Wenn eine Insel im geographischen Sinn gemeint ist, dann heißt es "auf". Wenn die Insel aber zugleich ein Land im politischen Sinne ist, kann man auch "in" sagen. "Auf Kuba" bezeichnet die Insel, "in Kuba" bezeichnet den Staat. Ein Malteser kann sowohl auf als auch in Malta geboren sein, je nachdem, ob seine Nationalität oder seine geographische Herkunft betont werden soll. Dasselbe gilt für die Präposition "aus" und "von".

Eine CD mit kubanischer Musik kann demnach sowohl von als auch aus Kuba stammen: von der Insel oder aus dem Land. Ein Souvenir von Sylt oder Rügen hingegen kommt nicht aus Sylt oder aus Rügen, da die beiden Inseln schwerlich als Länder bezeichnet werden können. Ein korsischer Ziegenkäse ist nach diesem Verständnis ein Käse von Korsika, da die Insel Korsika kein Land im politischen Sinne ist. Etliche Korsen sehen das allerdings anders.

 

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Kapitel 5: Das Elend mit dem Binde-Strich

Der Bindestrich (Divis), nicht zu verwechseln mit dem (längeren) Gedankenstrich, erfüllt die Funktion einer Lesehilfe. Bei Zusammensetzungen mit Fremdwörtern gilt: Der Bindestrich dient zur Hervorhebung des Unbekannten, Unerwarteten, Ungewöhnlichen. Für viele deutschsprachige Menschen sind Wörter wie Computer, Internet und online heute nichts Ungewöhnliches mehr, sodass sie in Zusammensetzung wie Computerbranche, Internetfirma und Onlinedienste auf den Bindestrich verzichten. Dies entspricht durchaus dem Prinzip der deutschen Sprache: Wortzusammensetzungen, die sich bewährt haben, werden als ein Wort geschrieben. Zusammensetzungen mit Fachfremdwörtern, die noch keinen festen Platz im deutschen Wortschatz haben, dürfen/sollten gekoppelt werden: Remote-Rechner, Viren-Patch, Consulting-Unternehmen.

 

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Kapitel 6: Das Verflixte dieses Jahres

dieser, diese, dieses
männlich weiblich sächlich
Nominativ dieser Mann diese Frau dieses Jahr
Genitiv dieses Mann dieser Frau dieses Jahr
Dativ diesem Mann(e) dieser Frau diesem Jahr(e)
Akkusativ diesen Mann diese Frau dieses Jahr

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Kapitel 7: Italienisch für Anfänger

Für alle, die es trotzdem genauer wissen wollen, hier ein paar Regeln zur Aussprache von c und g im Italienischen:

 

(c) Der Buchstabe c wird vor den hellen Vokalen e und i wie "tsch" ausgesprochen; vor den dunklen Vokalen a, o und u wird er wie "k" ausgesprochen. Circo, das italienische Wort für Zirkus, wird also "tschirko" ausgesprochen, caldo, das Wort für heiß, wird dagegen "kaldo" gesprochen - was schon bei Tausenden deutscher Touristen zu Verbrennungen geführt hat.

 

(g) Der Buchstabe g wird vor den hellen Vokalen e und i wie "dsch" ausgesprochen (genauer: wie das J in Job); vor den dunklen Vokalen a, o und u wird er wie "g" ausgesprochen: gondola (die Gondel) = "gondola", gelato (Speiseeis) = "dschelato".

 

(ch/gh) Das h hinter c oder g dient der Verhärtung, es macht das "tsch" zum "k" und das "dsch" zum "g". Stünde es nicht, so hieße es "Spadschetti" und "Njotschi". Bruschetta wird "Brusketta" gesprochen.

 

(ci/gi) Das i hinter c oder g dient der Erweichung, es macht c und g zu "tsch" und "dsch" und wird selbst nicht mitgesprochen: Der berühmte Gruß ciao wird also nicht "tsch-i-au" gesprochen, sondern eben nur "tchau". Würde das i nicht stehen (cao), so müsste man es "kau" aussprechen. Das Vanilleeis mit Schokoladenstücken, Stracciatella, wird "Stratschatella" ausgesprochen, der Vorname Giovanni wird "Dschovanni" ausgesprochen, nicht "Dschiovanni". Und das leckere Ciabatta einfach "Tschabatta".

 

 

Einzahl und Mehrzahl italienischer Lehnwörter
Singular Plural Singular Plural
Broccolo (nur ital.) Broccoli, Brokkoli Palazzo Palazzi
Cappuccino Cappuccino, Cappuccini, Cappucinos Papagallo Papagalli
Cello Celli, Cellos Paparazzo Paparazzi
Espresso Espresso, Espressi, Espressos Pizza Pizzas, Pizzen, Pizze (nur ital.)
Gnocco Gnocchi Solo Solos, Soli
Grafitto Grafitti Spaghetto Spaghetti (neudeutsch: Spagetti)
Lira Lire Torso Torsi, Torsos
Mafioso Mafiosi Zucchina Zucchini

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Kapitel 8: Bratskartoffeln und Spiegelsei

Der Gebrauch des Fugen-s im Überblick

 

Das Fugen-s steht im Allgemeinen

bei Zusammensetzungen mit Wörtern auf -tum, -ling, -ion, -tät, -heit, -keit, -schaft, -sicht, -ung

Altertumsforschung, Frühlingserwachen, Kommunionsfest, Realitätsverlust, Einheitsfeier, Heiterkeitsanfall, Eigenschaftswort, Ansichtskarte, Erinnerungsvermögen

bei Zusammensetzungen, deren erster Bestandteil auf -en endet (substantivierter Infinitiv)

Essensreste, Lebensfreude, Leidensweg, Redensart, Schlafenszeit, Sehenswürdigkeit, Sterbenswörtchen, Wissenslücke und daher auch Schadensersatz, aber: Schadenfreude

 

Das Fugen-s steht im Allgemeinen nicht

bei Zusammensetzungen, deren erster Bestandteil weiblich ist und nicht auf -ion, -tät, -heit, -keit, -schaft, -sicht, -ung oder einen Zischlaut endet

Weltkugel, Nachtzug, Fruchtsaft, Kammerdiener, Lageplan, Redezeit, Musikzimmer, Naturschutz, Schurwolle

Ausnahmen (u.a.): Armut, Hilfe, Liebe, Geschichte, Weihnachten

bei Zusammensetzungen, deren erster Buchstabe auf -er endet

Anglerlatein, Bäckermütze, Bohnenwachs, Feierabend, Folterknecht, Lägerschnitzel, Kellertür, Metzgerladen, Peterwagen, Räuberhauptmann, Ritterburg, Steuererklärung, Zigeunerjunge

Ausnahmen: Hungersnot, Henkersmahlzeit, Jägersmann, Petersburg und ähnliche altertümliche Begriffe

bei Zusammensetzungen, deren erster Bestandteil auf -el endet

Hagelschauer, Hebelgesetz, Kabeltrommel, Kegelclub, Mandelaugen, Nebelhorn, Paddelboot, Pendeluhr, Wendeltreppe

Ausnahmen: Engel (z.B. Engelsgesicht), Himmel (z.B. Himmelstor), Esel (z.B. Eselsohr)

bei Zusammensetzungen, deren erster Bestandteil auf -en endet und kein substantiviertes Verb ist

Bodensatz, Ebenbild, Gartentor, Nebenstraße, Ladenpassage, Rasenfläche, Wagenachse

bei Zusammensetzungen, deren erster Bestandteil mit einem Zischlaut endet (-sch, -s, -ss, -ß, -st, -tz, -z)

Waschsalon, Preisliste, Hasskappe, Grußkarte, Lastwagen, Sitzkissen, Putzmittel, Herzkammer

 

Schwankender Gebrauch des Fugen-s

bei Zusammensetzungen mit -steuer, -straße

Einkommen[s]steuer, Vermögen[s]steuer, Bahnhof[s]straße, Frieden[s]straße

bei Zusammensetzungen mir einem Partizip als zweitem Bestandteil

verfassung[s]gebend, richtung[s]weisend, krieg[s]führend, staat[s]erhaltend

 

Bestimmungswörter mit und ohne Fugen-s

Einige Bestimmungswörter erhalten in manchen Zusammensetzungen ein Fugen-s, andere nicht: Dies ist dann der Fall, wenn es gilt, zwei Bedeutungen voneinander abzugrenzen.

Mordsspaß, Mordshunger, Mordsgaudi haben ein Fugen-s; Mordanschlag, Mordopfer und Mordprozess nicht. Das Fugen-s dient hier zur Unterscheidung zwischen dem verstärkenden Präfix und der Bluttat.

Zusammensetzungen mit "Schiff" erhalten ein Fugen-s, wenn "Schiff" im engeren Sinne als "Schiffskörper" gemeint ist: Schiffsschraube, Schiffsrumpf, Schiffsmannschaft. Kein Fugen-s steht bei Zusammensetzungen, wenn "Schiff" im weiteren Sinne für "Seefahrt" steht: schiffbar, Schiffbruch, Schifffahrt.

Ein Dreieck ist immer ein Dreieck, ob in der Geometrie, im Möbelbau oder im Beziehungsleben. Das Dreieckstuch ist genauso dreieckig wie ein Dreieckstisch oder eine Dreiecksgeschichte. Das Weglassen des Fugen-s gaukelt eine mögliche Bedeutungsunterscheidung vor, die es aber nicht gibt.

 

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Kapitel 9: Streit und kein Ende

Der Streit über die richtige Präposition

Erschwerend in der Streit-Debatte kommt hinzu, dass in der überwältigenden Mehrheit der Fälle das Wort "Streit" von der Präposition (beziehungsweise Postposition) "um" begleitet wird, obwohl "über" oftmals richtiger wäre. Denn es gilt zu unterscheiden:

Beim Streit um die Wurst will jeder die Wurst für sich haben. Wir habe es mit Besitzansprüchen zu tun.

Beim Streit über die Wurst können sich die Beteiligten nicht einigen, wie eine Wurst auszusehen hat und welche Zutaten hineingehören. Der Streit dreht sich um etwas Abstraktes.

Bei der Erziehung streitet man sich über die Kinder, bei der Scheidung streitet man sich um dieselben. Die gleiche Differenzierung gilt für das fast ebenso häufig gebrauchte Wort Konflikt: Man unterscheidet den "Konflikt um das Kosovo" (Serben und Albaner wollen das Kosovo für sich) und den "Konflikt über die Steuerreform" (CDU und SPD sind geteilter Meinung). Eine Debatte und eine Diskussion werden grundsätzlich immer über etwas geführt. Denn in der Verbform heißt es schließlich: es wurde darüber debattiert und darüber diskutiert, nicht "darum". Ebenso Gerüchte: Es kursieren Gerüchte über jemanden, nicht um jemanden.

"Um" ist die am stärksten strapazierte Präposition. Beispiele wie "Mit ihrem Streik um die 35-Stunden -Woche hat die IG Metall..." und "Wohl kaum eine Auseinandersetzung seit der Volksabstimmung um den Beitritt zur Europäischen Union hatte..." und "Berliner Gegenwarts-Polizeifilme um Staatsbeamtinnen mit Gewissenskonflikten" veranschaulichen die geradezu seuchenartige Ausbreitung der Präposition "um" auf Kosten der treffenderen Artgenossinnen "über", "für" und "wegen".

Wer mit dieser Art von Formulierungen tagtäglich zu kämpfen hat, dem sei als kleine Hilfe nachstehende Tabelle empfohlen. Einfach kopieren und an den Monitor nageln, schon gibt's kein Rätselraten mehr um ... pardon: über die richtigen Präposition.

 

 

Die richtige Verwendung von "um" und "über"
Substantiv Postposition
Abstimmung über
Affäre um
Aufregung über
Auseinandersetzung über
Beratungen über
Debatte über
Diskussion über
Drama um
Gejammere über
Gerangel um
Gerede über
Gerücht über
Gespräch über
Gezerre um
Gezeter über
Hickhack um
Intrige um
Konflikt (mit Besitzanspruch) um
Konflikt (mit geteilter Meinung) über
Krawall um
Lamento über
Mutmaßungen über
Nachdenken über
Poker um
Prozess um
Querelen um
Radau um
Rätselraten über
Skandal um
Spekulation über
Streit (mit Besitzanspruch) um
Streit (mit geteilter Meinung) über
Tauziehen um
Verhandlungen über
Vermutungen über
Verwirrung über
Wirrwarr um
Zwist (mit Besitzanspruch) um
Zwist (mit geteilter Meinung) über

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Kapitel 10: Deutsch als Amtssprache der USA

Deutsche Wörter in der englischen Sprache
a

alpenglow, angst, Anschluss, autobahn, automat

b

beergarden, bildungsroman, Birkenstock, blitz, Blitzkrieg, bratwurst, bremsstrahlung

c

coffee-klatsch, coffee klatch, concertmeister

d

dachshund, Das ist gut, delicatessen, deli, diener, deaner, Diesel, dirndl, Doberman pinscher, doppelganger, dreck, drek, dummkopf

e

edelweiss, ehrgeiz

f

fahrvernuegen, fest (z.B. beer fest), frankfurter, Fraulein, Frollein, Fuehrer

g

gasthaus, gemuetlich, Gesundheit!, glitz, glitzy, glockenspiel

h

hamburger, hamster, hausfrau, Herrenvolk, hinterland, howitzer (von Haubitze)

i

iceberg

k

kaputt, kindergarten, kitsch, knackwurst, kraut, kriegspiel, Kristallnacht

l

lager beer, lager, lebensraum, leberwurst, liverwurst, lebkuchen, lederhosen, leitmotiv, leitmotif, lied

m

muesli

n

Nazi, Neanderthaler, nicht wahr?

o

Oktoberfest, Ostpolitik

p

panzer, pils, pilsner, pinscher, plattenbau, polka, pretzel (von Bretzel), pumpernickel

r

Reich, reinheitsgebot, rollmops, rottweiler, rucksack

s

sauerkraut, sourkraut, schadenfreude, schnapps, schnauzer (Hunderasse), schnitzel, spritz, spritzer, strudel

u

U-boat, umlaut

v

Volkswagen

w

waldmeister, waldsterben, weltschmerz, wunderkind, wurst

z

zeitgeist, zigzag (von ZickZack)

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Kapitel 11: Ich erinnere das nicht

Erinnern Sie sich, woran Sie wollen (aber bitte richtig!)

Standardsprachlich

sich an jemanden/etwas erinnern:

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Großtante. Sie erinnerte sich an ihren ersten Kuss. Er erinnerte sich nicht mehr an mich. Wir haben uns an unseren alten Lehrer erinnert.

Standardsprachlich

jemanden an jemanden/etwas erinnern:

Du erinnerst mich an meine Schwester. Das erinnert mich daran, wie wir damals Räuber und Gendarm gespielt haben. Erinnere mich nachher bitte daran, dass ich die Uhr eine Stunde vorstelle! Joscha erinnerte seinen Onkel daran, den Fernseher einzuschalten.

Gehobenes Deutsch

sich einer Sache/jemandes erinnern:

Dankbar erinnerte er sich der schönsten Momente seines Lebens. Ich werde mich deiner stets in Liebe erinnern. Dessen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Umgangssprachlich

besonders norddeutsch, in letzter Zeit verstärkt englisch geprägtes Neudeutsch

etwas/jemanden erinnern:

Ich erinnere ihn gut. Das erinnert sie kaum noch. Erinnerst du letzte Weihnachten?

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Kapitel 12: Sind rosane T-Shirts und lilane Leggins erlaubt?

24 Farbadjektive und was sie bedeuten
Anthrazit steinkohlefarben, geht zurück auf "anthrax" das griechische Wort für Kohle
Apricot blassorange, vom frz. Wort für Aprikose
Azur himmelblau, von frz. "azur", mittellat. "azzurum", arab. "lazaward", Name für den blauen Schmuckstein Lapislazuli Lasurit
Beige sandfarben, vom frz. Wort "beige"
Bordeaux dunkles Weinrot, nach der Farbe des Rotweins aus der Region um Bordeaux
Chamois gämsfarben, bräunlich gelb, von frz. "chamois", dt. Gemse/Gämse
Curry gelbbraun, nach der Gewürzmischung Curry
Ecru eierschalenfarben, von frz. "écru" für ungebleicht, unbehandelt
Indigo dunkles Blau, aus dem griechischen Wort "indikon" ("das Indische"). Der Farbstoff stammte ursprünglich aus Ostindien.
Khaki, Kaki persisches Wort, bedeutet "erdfarben", ursprünglich Uniformfarbe der britisch-indischen Regimenter bei der Belagerung von Delhi im Jahre 1857
Lila fliederfarben, vom frz. Wort "lilas" für Flieder
Magenta rote Druckfarbe, benannt nach der italienischen Stadt Magenta
Marone kastanienbraun, von frz. "marron", dt. Esskastanie, Marone
Mauve rosafarben, wie die Blüte der Mauve
Melba "pfirsichfarben", nach der Süßspeise "Pfirsich Melba", die auf die australische Sängerin Nellie Melba zurückgeht
Mint minzefarben, vom engl. Wort "mint" für Minze, Pfefferminze
Ocker gelbbraun, geht zurück auf griech. "ochros", das "blass", "blassgelb" bedeutete
Pink "nelkenfarben", kräftiges Rosa, vom engl. Wort "pink" für Nelke
Purpur, purpurn "hochrot", von lat. "purpura", griech. "porphyra", dem Namen der Purpurschnecke
Siena Goldocker, benannt nach der Erde um die italienische Stadt Siena
Terrakotta "tonfarben", von ital. "terracotta", "gebrannte Erde", rötlicher Farbton
Umbra vom lat. Wort für Schatten, auch Erdbraun, Römischbraun, Sepiabraun genannt
Violett "veilchenblau", vom frz. Wort "violette", dt. Veilchen
Zyan stahlblau, geht zurück auf griech "kyaneos"

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Kapitel 13: In Massen geniessen

Mit freundlichen Grüßen!

Hier sind die vier goldenen Regeln für den richtigen Gebrauch von ss und ß noch einmal zusammengefasst:

 

1. Hinter kurzen Vokalen steht grundsätzlich ss, auch am Wortende:

Das Fass war nass nach der Fahrt im Fluss. Ich wusste, dass du ihn geküsst hast, obwohl du ihn gehasst hast. Ich musste den Pass vorzeigen. Nur keinen Stress! Ich wüsste gern, wie das passiert ist. Das Schloss war offen. Er schoss auf Massen von Gösseln aus Russland.

 

2. Hinter langen Vokalen steht grundsätzlich ß

Das große Floß trieb träge dahin. Das Maß ist voll, der Spaß vorbei. Ich vergaß, ihn zu grüßen. Je größer das Verbot, desto süßer das Verlangen. Im Schoß der Familie, zu Fuß über die Straße. Schließlich und endlich fließt alles in den Orkus.

 

3. Hinter Doppellauten (Diphthongen), das sind au, äu, eu und ei steht grundsätzlich ein ß, da sie die Natur von langen Vokalen haben:

Ich weiß von nichts. Er war außer sich vor Wut. Er äußerte einen scheußlichen Wunsch. "Reißen Sie sich gefälligst zusammen!", befahl der preußische Offizier. Mit schweißnassen Haaren soll man nicht nach draußen gehen.

 

4. In VERSALIENSCHREIBUNG wird das ß grundsätzlich als SS dargestellt:

ACHTUNG! SCHIESSÜBUNGSGELÄNDE
PREUSSISCHES MUSEUM
VORSICHT BEIM ÖFFNEN DES REISSVERSCHLUSSES
FUSSGÄNGER STRASSENSEITE WECHSELN!
niemals:
MIT FREUNDLICHEN GRÜßEN

 

Diese Regeln beziehen sich selbstverständlich nur auf die Fälle, in denen schon immer ein ss oder ein ß verlangt wurde. Wörter wie "Beweis" oder "Kenntnis" werden nach wie vor mit einfachem s geschrieben.

 

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Kapitel 14: Das Ultra-Perfekt

Das Imperfekt, auch Präteritum genannt, kennzeichnet die "unvollendete" Vergangenheit und findet hauptsächlich im geschriebenen Deutsch Anwendung: Ich suchte dich; du sagtest nicht; er fuhr; sie kamen.

Weitaus größerer Beliebtheit erfreut sich das Perfekt, jene mit "haben" oder "sein" und zweitem Partizip gebildete Vergangenheitsform, denn sie kommt vornehmlich in der gesprochenen Sprache zum Einsatz: Ich habe dich gesucht; du hast nichts gesagt; er ist gefahren; sie sind gekommen. "Perfekt" heißt diese Zeit, weil sie als "vollendet" gilt. Das, was jemand "gemacht hat", ist abgeschlossen.

Noch abgeschlossener ist das Plusquamperfekt: Ich hatte dich gesucht; du hattest nichts gesagt; er war gefahren; sie waren gekommen. Das Plusquamperfekt beschreibt die Vergangenheit vor der Vergangenheit, die so genannte Vorvergangenheit: Bevor sie ins Bad ging, hatte sie die Wäsche aufgehängt. Nachdem er die Nachbarn alarmiert hatte, rief er die Feuerwehr.

 

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Kapitel 15: Cäsars Kampf gegen die starken Verbier

Unregelmäßige Verben

Hier finden Sie in alphabetischer Reihenfolge jene 20 unregelmäßigen Verben aufgelistet, die in der "Zwiebelfisch"-Geschichte von Cäsars Kampf gegen die Verbier falsch gebraucht wurden.

 

besinnen: Das reflexive Verb "besinnen" wir unregelmäßig gebeugt: ich besinne mich; er besann sich eines Besseren; wir haben uns besonnen und eine andere Lösung gefunden.
bewegen: Das reflexive Verb wird regelmäßig gebeugt: bewegen, bewegte, bewegt; ich bewegte zuerst den linken Arm, dann den rechten; deine Geschichte hat mich sehr bewegt.

Das transitive Verb in der Bedeutung "veranlassen" wird unregelmäßig gebeugt: bewegen, bewog, bewogen; sein Vater bewog ihn, eine Kaufmannslehre zu machen. Was hat ihn zu einem solchen Schritt bewogen?

drängen/dringen: Das transitive Verb "drängen" wird regelmäßig gebeugt: drängen, drängte, gedrängt; die Zeit drängt; er drängte sie, zum Ende zu kommen; wir wurden in die Ecke gedrängt.

Das intransitive Verb "dringen" wird unregelmäßig gebeugt: dringen, drang, gedrungen; das Wasser dringt durch alle Ritzen; ihr Hilferuf drang bis ins Nachbarhaus; Amors Pfeil war ihm tief ins Herz gedrungen.

erbleichen: Das Verb in der Bedeutung "blass werden" wird heute üblicherweise regelmäßig gebeugt (erbleichen, erbleichte, erbleichte); die unregelmäßige Konjugation (erblich, erblichen) ist veraltet.
erlöschen: Das intransitive Verb "erlöschen" wird unregelmäßig gebeugt: die Flamme erlischt; das Feuer erlosch; die Lichter sind erloschen.

Das transitive Verb "löschen" wird regelmäßig gebeugt: du löscht deinen Durst; die Feuerwehr löschte den Brand; die Lichter wurden gelöscht.

erschrecken: Das transitive Verb "jemanden erschrecken" wird regelmäßig gebeugt und im Perfekt mit "haben" konjugiert: ich erschrecke dich, du erschreckst mich, die Nachricht erschreckte die Zuhörer, du hast mich ganz schön erschreckt!

Das intransitive Verb "erschrecken" wird unregelmäßig gebeugt und im Perfekt mit "sein" konjugiert: Sei leise, sonst erschrickt das Reh; als der Tiger den Jäger bemerkte, erschraken beide; beim Anblick des Tieres ist er heftig erschrocken.

Das reflexive Verb "sich erschrecken" gehört der Umgangssprache an und wird sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig gebeugt: Ich erschrecke mich bei jedem Donner; ich erschreckte/erschrak mich fast zu Tode; da habe ich mich ganz schön erschreckt/erschrocken!

gleiten: Das Verb "gleiten" wird unregelmäßig gebeugt: gleiten, glitt, geglitten; sein Blick glitt über die Stadt; mühelos war der Esel über das Eis geglitten.
hängen: Das transitive Verb in der Bedeutung "aufhängen" wird regelmäßig gebeugt: ich hänge, ich hängte, ich habe gehängt; ich hängte den Hörer wieder ein; ich habe die Wäsche aufgehängt.

Das intransitive Verb im Sinne von "baumeln" wird unregelmäßig gebeugt: ich hänge, ich hing, ich habe gehangen; die Fahne hing im Wind; ich hing drei Stunden lang fest; die Wäsche hat auf der Leine gehangen.

hauen: Das Verb "hauen" wird unregelmäßig gebeugt: hauen, hieb, gehauen. Häufiger als "hieb" ist heute die umgangssprachliche Form "haute" gebräuchlich. Das regelmäßig gebeugte Perfektpartizip "gehaut" ist hingegen mundartlich.
heißen: Das Verb "heißen" wird unregelmäßig gebeugt: heißen, hieß, geheißen. Die Form "gehießen" ist landschaftlich.
preisen: Die Verben "preisen" und "anpreisen" werden unregelmäßig gebeugt: preisen, pries, gepriesen; er pries den Namen des Herrn; gepriesen seist du! Die Aktien wurden angepriesen wie sauer Bier.

Das Verb "lobpreisen" wird hingegen regelmäßig gebeugt: Er lobpreiste den Namen des Herrn; sein Werk wurde gelobpreist.

quellen: Das intransitive Verb "quellen" wird unregelmäßig gebeugt: quellen, quoll, gequollen; das Wasser quillt über; der Teig quoll auf; aus seinen Augen sind dicke Tränen gequollen.

Das transitive Verb "quellen" in der Bedeutung "etwas im Wasser weich werden lassen" wird regelmäßig gebeugt: quellen, quellte, gequellt; ich quellte das Brötchen in Milch; hast du den Reis gequellt?

saugen: Das alte Verb "saugen" wird unregelmäßig gebeugt: saugen, sog, gesogen; das Ferkel sog begierig an der Mutterbrust; er sog die Luft ein; als Kinder haben wir Cola immer durch den Strohhalm gesogen.

Das neuere Verb "saugen" im technischen Sinne wird regelmäßig gebeugt: saugen, saugte, gesaugt; ich saugte Staub; Mutter hat Staub gesaugt.

schleifen: Das Verb "schleifen" im Sinne von "glatt oder scharf machen" wird unregelmäßig gebeugt: schleifen, schliff, geschliffen; er schliff die Sense; das Messer wurde geschliffen; ein geschliffener Diamant.

Das Verb "schleifen" in der Bedeutung "einebnen" wird hingegen regelmäßig gebeugt: schleifen, schleifte, geschleift; die Römer schleiften die Befestigungsanlage; die Mauern der Stadt wurden geschleift.

Auch "schleifen" im Sinne von "hinter sich herziehen" wird regelmäßig gebeugt: Der Mörder schleifte sein Opfer bis zur Brücke; ich habe den Koffer die ganze Strecke hinter mir her geschleift.

senden: Das Verb "senden" in der Bedeutung "schicken" wird unregelmäßig gebeugt: Es sandte einen Boten; die Engel waren vom Himmel gesandt worden. Vielen Dank für die Blumen, die du mir gesandt hast.

Das jüngere Verb "senden" in der Bedeutung "ausstrahlen" wird regelmäßig gebeugt: Der Fernsehkanal sendete plötzlich nur noch Wiederholungen; der Funkspruch ist längst gesendet worden.

verdingen: Das Verb "verdingen" wird regelmäßig gebeugt: verdingen, verdingte, verdingt; er hatte sich als Hilfsarbeiter verdingt; der Lord verdingte mehrere Knaben aus der Umgebung als Lakaien.

Das präfixlose Verb "dingen" wird im Perfekt zu "gedungen": ein gedungener Mörder.

wenden: Das reflexive Verb "wenden" wird unregelmäßig gebeugt: er wandte sich um; die Hilfesuchenden hatten sich an die Polizei gewandt.

Das transitive Verb "wenden" wird regelmäßig gebeugt: Der Chauffeur wendete den Wagen vor dem Haus; das Fleisch muss in der Pfanne mehrmals gewendet werden.

winken: Das Verb "winken" wird immer regelmäßig gebeugt: ich winke, ich winkte, ich habe gewinkt. Die Form "gewunken" ist mundartlich und gilt nicht als standardsprachlich.
wohlgesinnt: Obwohl das reflexive Verb "besinnen" zu "besann" und "besonnen" wird, heißt das Adjektiv "wohlgesinnt". Die Form "wohlgesonnen" ist standardsprachlich nicht korrekt.

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"Das kleine ABC des Zwiebelfischs"

[a] Administration/Regierung

Das Wort administration steht in den USA für Regierung, und so sollte es auch ins Deutsche übersetzt werden: mit Regierung, nicht mit Administration. Natürlich gibt es im Englischen auch das Wort government, doch das hat bei den US-Amerikanern die Bedeutung "Staat" im Sinne von "Staatsbehörden".

[a] als/wie

Bei Gleichheit sagt man wie, bei Ungleichheit als. Das nennt man Positiv und Komparativ. Die Vergleichspartikel wie steht nach dem Positiv, als hingegen nach dem Komparativ:

Positiv:
- Dieser Sommer ist genauso heiß wie der letzte.
- Die Sache ist genau so, wie ich sie euch erklärt habe.
- Ich bin neunmal so klug wie ihr.

Komparativ:
- Dieser Winter wird noch viel kälter als der letzte.
- Die Sache ist weitaus komplizierter, als ich sie dargestellt habe.
- Ich bin neunmal klüger als ihr.

[a] an Weihnachten/zu Weihnachten

Der Gebrauch von der Präposition in Verbindung mit Festtagen ist regional verschieden. "An Weihnachten" sagt man vor allem in Süddeutschland, während in Norddeutschland "zu Weihnachten" gebräuchlich ist. Wie so oft gibt es in dieser Frage kein "richtig" oder "falsch", sondern bloß ein "hier" und "dort". In einigen Gegenden wird sogar die Präposition "auf" verwendet werden: Da trifft man sich auf Ostern und sieht sich auf Pfingsten wieder. Dies ist aber nicht standardsprachlich.

[a] Angst/angst

"Angst" wird nur dann klein geschrieben, wenn es als Eigenschaftswort benutzt wird, also mit "wie?" erfragt werden kann. Tritt es als Hauptwort auf, wird es selbstverständlich groß geschrieben. Ob es sich um ein Hauptwort handelt, erkennt man an der eventuellen Voranstellung eines Artikels, Attributs oder einer Präposition (die Angst war groß; in ständiger Angst sein; aus Angst nichts sagen) und daran, ob man die Angst mit "was?" erfragen kann:

- Ich habe Angst. (Was habe ich? -> Hauptwort)
- Mir wird angst. (Wie wird mir? -> Eigenschaftswort)
- Du machst mir Angst. (Was machst du mit? -> Hauptwort)
- Ihm war angst und bange. (Wie war ihm? -> Eigenschaftswort)

[a] auf/offen

War das Fenster nun offen oder auf? Der Gebrauch des Wortes auf im Sinne von geöffnet ist umgangssprachlich. Standardsprachlich ist das Fenster offen.

Besonders im norddeutschen Raum ist die umgangssprachliche Verwendung von auf als Adjektiv verbreitet und stand Modell für zahlreiche weitere kuriose Adjektivbildungen aus Präpositionen.

- Wenn das Fenster auf ist, dann es ein aufes Fenster.
- Dementsprechend ist eine Tür, die zu ist, eine zue Tür.
- Wem ein Finger fehlt (ab ist), der hat einen abben/appen Finger.
- Wer mit einer brennenden Zigarette in den Fahrstuhl steigt, der tut dies mit einer annen Zigarette.

[a] auf der Arbeit/in der Arbeit

Vor dem Wort "Arbeit" sind die Präpositionen "auf", "bei" und "in" prinzipiell gleichwertig. Je nachdem, ob man unter Arbeit den Arbeitsplatz versteht, das Ausüben einer Tätigkeit oder das Gebäude, in dem man arbeitet, kann man "auf der Arbeit"(=auf der Arbeitstelle), "bei der Arbeit"(=beim Arbeiten) oder "in der Arbeit" (im Büro, in der Fabrik) sein. Die telefonische Auskunft an den Ehepartner "Ich bin noch auf Arbeit!" ist hingegen umgangssprachlich.

[a] auseinander schreiben/zusammenschreiben

Früher wurde manches auseinandergeschrieben, heute wird vieles auseinander geschrieben. Warum ist das so? Durch die Rechtschreibreform wurden alle Fügungen, deren erster Bestandteil ein mit -einander gebildetes Adverb ist, auseinander-gerissen, um sie der Schreibweise getrennt geschriebener Wortgruppen wie "miteinander spielen", "zueinander sprechen" und "untereinander tauschen" anzugleichen. Seitdem wird alles auseinander geschrieben, was mit auseinander beginnt.

Die Möglichkeit der semantischen Unterscheidung ging dadurch leider verloren:
Konnte zum Beispiel zwischen dem wörtlichen "auseinander setzen" (Zwei schwatzende Schüler auseinander setzen) und "auseinandersetzen" im übertragenen Sinn (sich mit einem Thema auseinandersetzen) unterschieden werden, geht dies heute nicht mehr.
Bei Zusammensetzungen mit "zusammen-" wurde hingegen nicht viel geändert, sodass die Möglichkeit der Unterscheidung erhalten blieb:

- Wir sind zusammen gekommen (=gemeinsam/gleichzeitig) und getrennt gegangen.
- Wir sind heute zusammengekommen (=haben uns versammelt), um einen bedeutenden Mann zu ehren.
- Später haben sie zusammengesessen (=nebeneinander gesessen).
- Später haben sie zusammen gesessen (=beide waren im Gefängnis).

[b] baff/bass erstaunt

Man kann entweder baff (=verblüfft) sein oder bass erstaunt, aber nicht "baff erstaunt". Bass ist ein alter Wort für "tief", heute kennt man es in dieser Bedeutung nur noch in Zusammenhang mit Musik und Akustik. Bass erstaunt heißt also zutiefst erstaunt, sehr erstaunt.

[b] bayerisch/bayrisch

Die Form ohne "e" ist umgangssprachlich; die Form mit "e" ist standardsprachlich, sie findet in offiziellen Namen Verwendung: der Bayerische Rundfunk, der Bayerische Wald. Daneben gibt es auch noch das Adjektiv "bairisch", das aber nur von Sprachwissenschaftlern gebraucht wird, die damit den in Bayern und Österreich gesprochenen Dialekt benennen.

[b] beziehungsweise/genauer gesagt

Das aufgebläht klingende Wort "beziehungsweise" (abgekürzt bzw.) wird fälschlicherweise oft anstelle der Konjunktionen "und" oder "oder" verwendet.

In dem Aufruf "Die Besucher bzw. Besucherinnen werden gebeten, sich an der Rezeption zu melden" ist das Wort "beziehungsweise" fehl am Platz, an seine Stelle gehört ein schlichtes "und". Und hier heißt es besser "oder": "Das erledigt Herr Brüning bzw. Herr Wiesenhoff für Sie."
In vielen Fällen kann "beziehungsweise" auch einfach durch "genauer gesagt" ersetzt werden: "Ich stamme aus Lübeck, beziehungsweise aus einem Dorf in der Nähe." Besser: "Ich stamme aus Lübeck, genauer gesagt aus einem Dorf in der Nähe."
"Beziehungsweise" ist nur dann angebracht, wenn ein Bezug auf zwei verschiedene Substantive vorliegt: "Zugelassen sind Kinder ebenso wie Erwachsene, der beträgt 8 bzw. 12 Euro."

[b] brauchen/ zu brauchen

"Wer braucht nicht mit zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen." Diese Faustregel gilt in der Standardsprache noch immer. In der Umgangssprache wird "brauchen" in Analogie zu den Hilfsverben "müssen" und "dürfen" oft ohne "zu" verwendet:
Nach dem Vorbild "Sie muss davon ja nichts erfahren" wird "Sie braucht davon ja nichts erfahren" gebildet. Dies gilt aber nicht als salonfähig. In gutem Deutsch heißt es nach wie vor: "Sie braucht davon ja nichts zu erfahren."

[c] China/Chile

Die standardgemäße Aussprache des "Ch" am Wortanfang vor den hellen Vokalen "e" und "i" ist ein weiches "ch" wie in "Licht" und "Blech". In Süddeutschland allerdings wird das Ch wie ein K ausgesprochen, dort sagt man Kina, Kinesen, Kemie und Kirurg. Die Norddeutschen amüsieren sich gern darüber, sind ihrerseits aber nicht konsequent, wenn es um die Aussprache des Chiemsees geht. Den spricht nämlich auch ein "Preiß" mit knackigem k, obwohl er das ch weich artikulieren müsste. Hier hat sich das Bayerische durchgesetzt. Inkonsequent sind die Bayern ihrerseits bei Chile: Hier sagen sie nicht Kile, wie man es erwarten könnte, sondern Tschile.

[d] dasselbe/das Gleiche

Dass dasselbe und das Gleiche nicht dasselbe ist, sieht man schon daran, dass dasselbe zusammen - und das Gleiche auseinander geschrieben wird.
Zwei Frauen können nicht zur selben Zeit dasselbe Kleid tragen, wohl aber das gleiche. Der-, die-, dasselbe besagt, dass zwei Dinge identisch sind. Der, die, das Gleiche besagt, dass sich zwei unterschiedliche Dinge aufs Haar gleichen.

- Sie fuhren beide das gleiche Auto, hatten aber nicht dasselbe Ziel.
- Sie benutzen beide die gleiche mittelharten Zahnbürste, aber nicht dieselbe.

[d] drängen/dringen

Das Verb drängen wird regelmäßig gebeugt: drängen, drängte, gedrängt, ebenso: aufdrängen und auf etwas drängen.

- Die Zeit drängt.
- Er drängte sie, zum Ende zu kommen.
- Der Vertreter hatte ihr das Abonnement regelrecht aufgedrängt.
- Sie drängte auf die Entlassung des Chauffeurs.

Das Verb dringen wir unregelmäßig gebeugt: dringen, drang, gedrungen.

- Das Wasser dringt durch alle Ritzen.
- Ihr Hilferuf drang bis ins Nachbarhaus.
- Armors Pfeil war ihm tief ins Herz gedrungen.

[e] effektiv/effizient

Effektiv bedeutet wirkungsvoll im Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln, effizient bedeutet leistungsfähig, wirtschaftlich. Das eine bezieht sich also auf das Ergebnis (hat die Sache einen Effekt?), das andere charakterisiert die Art und Weise einer Umsetzung (hat sich die Sache gelohnt?)

Eine Flache Champagner auf eine umgestürzte Kerze zu gießen ist effektiv, denn das Feuer ist danach gelöscht. Effizient ist es hingegen nicht, denn ein Glas Wasser hätte es auch getan.
Ein Sprint kann effektiv sein, wenn es gilt, ein nahes Ziel zu erreichen. Wer aber noch mehrere Kilometer zurückzulegen hat, wird feststellen, dass Sprinten nicht effizient ist, weil man zu schnell außer Atem gerät.

[e] E-Mail/email

E-Mail wird meistens als weiblich aufgefasst, also die E-Mail, weil das Wort übersetzt "elektronische Post" bedeutet. Einige sagen allerdings auch das E-Mail, wobei sie sich am Englischen orientieren, wo für Mail und E-Mail das sächliche Pronomen "it" verwendet wird. Die korrekte deutsche Schreibweise ist E-Mail, nicht e-mail, e-Mail oder E-mail und auch nicht Email, denn Letzteres ist ein gebrannter Schutzüberzug für Kochtöpfe und Badewannen und wird in der Regel nicht auf elektronischem Wege versandt.

[e] erschreckt/erschrocken

Das transitive Verb "jemanden erschrecken" wird regelmäßig gebeugt und im Perfekt mit "haben" konjugiert: ich erschrecke dich, du erschreckst mich, die Nachricht erschreckte die Zuhörer, du hast mich ganz schön erschreckt!

Das transitive Verb "erschrecken" wird unregelmäßig gebeugt und im Perfekt mit "sein" konjugiert: Sei leise, sonst erschrickt das Reh; als der Tiger den Jäger bemerkte, erschraken beide; beim Anblick des Tieres ist er heftig erschrocken.

Das reflexive Verb "sich erschrecken" gehört der Umgangssprache an und wird sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig gebeugt: Ich erschrecke mich bei jedem Donner; ich erschreckte/erschrak mich fast zu Tode; ich habe mich ganz schön erschreckt/erschrocken!

[e] erst mal/erstmal

Entgegen einem unausrottbaren Volksglauben wird "erst mal" in zwei Wörtern geschrieben, daran hat sich auch durch die Rechtschreibreform nichts geändert. Es handelt sich um die umgangssprachliche Verkürzung von "erst einmal". Die Wörter erstmals und erstmalig werden hingegen zusammengeschrieben. [-> noch mal]

[f] fliehen/flüchten

Der Unterschied zwischen "fliehen" und flüchten" liegt im Antrieb. "Fliehen" bedeutet "schnell davonlaufen", daher hat auch der schnell davonhüpfende Floh seinen Namen. Wer flieht, der tut dies aufgrund eines selbst gefassten Entschlusses. "Flüchten" stammt aus dem alten Jäger- und Kriegsvokabular und bedeutet "in die Fluch geschlagen werden". Wer flüchtet, der tut dies meist gegen seinen Willen, weil er verjagt oder vertrieben worden ist. Daher werden Heimatvertriebene meistens Flüchtlinge und selten Geflohene genannt. Ein Beispiel, um den Unterschied aufzuzeigen:

Die ersten Dorfbewohner flohen vor dem Feind (=sie rannten aus freiem Entschluss davon), die letzten konnten nur noch flüchten (=sie wurden gegen ihren Willen vertrieben).

[g] gewinkt/gewunken

Das Verb "winken" wird regelmäßig konjugiert: ich winke, ich winkte, ich habe gewinkt. Die Form "gewunken" ist landschaftlich verbreitet, aber streng genommen ein Irrtum. Zwar heißt es "sinken, sank, gesunken" und "trinken, trank, getrunken", doch nicht "winken, wank, gewunken". Die Formen von "winken" werden wie die Formen von blinken, hinken und schminken gebildet.

[g] gewohnt/gewöhnt

Gewöhnt und gewohnt ist nicht das Gleiche. Gewöhnt kommt von Gewöhnung, gewohnt von Gewohnheit.
Wer sich an etwas gewöhnt, der macht sich mit etwas vertraut, findet sich mit etwas ab, gewinnt es womöglich sogar lieb.
Wer etwas gewohnt ist, der kennt etwas, hat Übung und Erfahrung darin, was aber noch lange nicht heißen muss, dass er es deswegen auch schätzt.
"Gewöhnt" wird immer mit der Präposition "an" gebraucht, "gewohnt" hingegen nicht.

- Liebling, ich hab mich so an dich gewöhnt.
- Nur langsam hatte er sich an das harte Leben gewöhnt.
- Es dauerte nicht lange, da hatten sich die Tiere an die neue Umgebung gewöhnt.

- Sie sind es gewohnt, bei schönem Wetter im Freien zu frühstücken.
- Ein solch hartes Leben war er vorher nicht gewohnt gewesen.
- Elke war es gewohnt, von den Männern versetzt zu werden, aber daran gewöhnen konnte sie sich nie.

[g] grammatisch/grammatikalisch

In dem Film "Die zwölf Geschworenen" mit Henry Fonda ereiferte sich einer der Geschworenen über die vermeintlich "grammatisch falsche" Ausdrucksweise des Angeklagten und wurde dafür mit den Worten verbessert: "Es heißt grammatikalisch." Das war 1957, und damals galt "grammatikalisch" noch als standardsprachlich. Inzwischen ist es veraltet, das kürzere Adjektiv "grammatisch" hat sich durchgesetzt.

[h] hälst/hältst

Einer der häufigsten Rechtschreibfehler überhaupt. Selbst Akademiker brechen sich hier regelmäßig den Hals: die zweite Person Singular von "halten" lautet: du hältst, nicht: du hälst. Das "t" gehört zum Verbstamm ("halt") und ist in jeder Ableitung dabei; entsprechend heißt es im Imperfekt: du hieltst beziehungsweise du hieltest, nicht: du hielst.

[h] Handy/Handys

Das Wort "Handy" hat tatsächlich einen englischen Ursprung. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte die amerikanische Firma Motorola tragbare Funkgeräte, die sie "handie talkies" nannte. Diese Bezeichnung setzte sich jedoch nicht durch, die Funkgeräte wurden stattdessen unter dem Namen Walkie-Talkie berühmt.
Die ersten Netze für tragbare Funktelefone gab es in den USA. Die entsprechenden Geräte wurden "mobile phone" oder "cellular phone" genannt, und so heißen sie im englischsprachigen Raum noch heute. Die Bezeichnung "Handy" für Mobiltelefon hat es in den USA nicht gegeben. Sie tauchte Mitte der achtziger Jahre erstmals in Deutschland auf. Der Plural lautet Handys. [->Teddys/Teddies]

[h] Hijacker/Entführer

Neudeutsches Modewort, albernes Synonym für Entführer. Kein Drehbuch kann so schlecht sein, dass jemand in einer Entführungsszene über Handy seinen Angehörigen mitteilte, sein Flugzeug sei "in der Gewalt von Hijackern". Von ähnlicher Hilflosigkeit zeugen die unübersetzten Begriffe Sniper (Heckenschütze), Warlord (Truppenführer), Airline (Fluglinie) und Airport (Flughafen).

[i] in 2010/im Jahre 2010

Die Präposition "in" vor einer Jahreszahl ist ein lästiger Anglizismus, der vor allem im Wirtschaftsjargon allgegenwärtig ist. Die deutsche Sprache ist jahrhundertelang ohne diesen Zusatz ausgekommen und braucht ihn auch heute nicht. Die Formulierung "Der Film wird voraussichtlich erst in 2006 in die Kinos kommen" zeugt nicht nur von schlechtem Stil, sie ist außerdem länger als die korrekte deutsche Fassung, für die man das "in" ganz einfach streicht.
In bestimmten Zusammenhängen, in denen Missverständnisse aufkommen können, empfiehlt es sich, "im Jahre..." beziehungsweise "des Jahres..." vor die Jahreszahl zu setzen:
Missverständlich: "Die beiden Wissenschaftler haben auf ihrer Reise durch Russland 2003 besonders wertvolle Gemälde gesichtet."
Besser: "Die beiden Wissenschaftler haben auf ihrer Reise durch Russland im Jahre 2003 besonders wertvolle Gemälde gesichtet."

[i] irgendwie total/-

Aussagen wie "Das war irgendwie total strange" oder "Ich hab den Max irgendwie total gern" klingen irgendwie total bescheuert. Wer eine Meinung zu etwas hat und meint, diese artikulieren zu müssen, möge nach treffenden Worten suchen. "Total" ist, wie "echt", "voll", "tierisch" und "unheimlich", ein verstärkendes Füllwort, "irgendwie" hingegen entkräftet und relativiert den Sinn. Die beiden Wörter heben sich also gegenseitig irgendwie total auf.
Man sage: "Das war seltsam" und "Ich habe den Max gern", oder man schweige.

[j] Jogurt/Joghurt

Die Rechtschreibreform hat häufig gebrauchte Fremdwörter der deutschen Schreibweise angepasst. In einigen Fällen sind dabei Buchstaben weggefallen, die keine phonetische Relevanz besaßen, wie das "h" in Känguru(h). Die fremdsprachige Schreibweise "Joghurt" ist nach wie vor die Hauptvariante, doch die deutsche Form "Jogurt" eine zulässige Nebenvariante.

Weitere Fälle sind: Katarrh/Katarr, Myrrhe/Myrre, Hämorrhoiden/Hämorroiden

Daneben ist Joghurt auch eines der wenigen Wörter der deutschen Sprache, die männlichen, weiblichen und sächlichen Geschlechts sind: Im Hochdeutschen heißt es der Joghurt, in Österreich das Joghurt und in der Umgangssprachliche mitunter auch die Joghurt.

[k] in keiner Weise/in keinster Weise

Wenn "kein" so viel bedeutet wie "nichts" oder "niemand", lässt es sich dann noch steigern? Logisch gedacht natürlich nicht, stilistisch ist dies trotzdem möglich. Man nennt dies den "Elativ", eine Steigerungsform, die sich herkömmlicher Logik entzieht, um außergewöhnliche Höflichkeit, Entrüstung, Qualität, Trauer oder Demut auszudrücken. Der Elativ, auch "absoluter Superlativ" genannt, wird außer Konkurrenz verwendet, also ohne einen wirklichen Vergleich anzustellen: mit freundlichsten Grüßen, herzlichst, in tiefster Trauer, beim besten Willen, beim leisesten Anzeichen, möglichst, gefälligst, baldigst, gütigst und eben auch: in keinster Weise.

[k] kosten: das kostete ihm/ihn das Leben

Regiert "kosten" den Dativ oder den Akkusativ der Person? Seit eh und je findet man beide Formen belegt. Es ist allerdings nicht so, wie viele glauben, dass der Dativ den Akkusativ verdrängen würde. Vielmehr befindet er sich seit Jahrhunderten auf dem Rückzug. Im 18. Jahrhundert überwog noch der Gebrauch des Dativs. Sprachgelehrte empfahlen dann den Akkusativ, der sich bis heute weitgehend durchgesetzt hat.
Wenn "kosten" im Sinne von "etwas verlangt von jemandem einen bestimmten Preis" gebraucht wird, gilt allein der doppelte Akkusativ als standardsprachlich korrekt:

Das kostet mich nichts; das kostet ihn viel; das kostet dich höchstens ein Lächeln.

Wird "kosten" im Sinne von "etwas bringt jemanden um etwas" verwendet, gilt neben dem Akkusativ der Person auch der Dativ der Person als korrekt:

Das kostete die Mannschaft den Sieg; das kostete der Mannschaft den Sieg; das kostet ihn das Leben; das kostet mir meine letzten Nerven; das kostet dich deine Ruhe; ich lasse mir das Geschenk etwas kosten.

[l] lehren: jemandem/jemanden das Fürchten lehren

Heute gilt es als standardsprachlich korrekt, nach lehren den doppelten Akkusativ zu gebrauchen: Sie lehrt ihn das Klavierspiel; er lehrt sie das Tangotanzen.
Im 17. und 18. Jahrhundert war es hingegen üblich, die Person in den Dativ zu setzen, da lehrte der Meister dem Gesellen das Handwerk, und der Erzieher lehrte dem Flegel Mores. Im 19. Jahrhundert lehrte dann der Akkusativ den Dativ das Fürchten, indem er ihn von seinem Platz verdrängte. Dennoch tritt der Dativ gelegentlich noch auf, vor allem im Passiv: Ihm wurde das Fürchten gelehrt.

[l] lohnenswert/lohnend

"Lohnenswert" ist eine überflüssige Zusammensetzung aus den Wörtern "lohnend" und "wert". Eine Sache kann lohnend sein, und sie kann etwas wert sein, beides zusammengenommen macht sie aber nicht zwangsläufig lohnenswert. Ähnlich pleonastische Adjektive: stillschweigend, schlussendlich, vorprogrammiert.

[m] meines Wissens/meines Wissens nach

Die Wendung "meines Wissens" in der Bedeutung von "soviel ich weiß" steht ohne die Präposition "nach". Es heißt: "Meines Wissens war Peter der Große Zar von Russland", nicht " Meines Wissens nach war Peter der Große Zar von Russland".
Dasselbe gilt für den Genitiv von "Erachten", auch hier heißt es nicht "meines Erachtens nach", sondern nur "meines Erachtens".
Die Präposition "nach" steht bei ähnlichen Wendungen, die den Dativ haben:
meinem Gefühl nach; meiner Meinung nach; dem Vernehmen nach; seinem Urteil nach.

[m] Mexico City/Mexiko-Stadt

Auch in Deutschland wird immer häufiger von "Mexico City" statt von "Mexiko-Stadt" gesprochen, vor allem natürlich in Reisebüros, aber auch in Reportagen und selbst im Erdkundeunterricht. City hat einen verheißungsvolleren Klang als das Wort Stadt, außerdem wird bei uns in Deutschland inzwischen selbst so vieles "City" genannt (allein Hamburg hat mittlerweile vier Citys: City Nord, City Süd, Hafencity und die Innenstadt), dass die englische Vokabel nicht mehr als fremd wahrgenommen wird. Von modernistischen und modischen Erwägungen abgesehen, gibt es allerdings keinen zwingenden Grund, weshalb man der Hauptstadt Mexikos im Deutschen einen englischen Namen geben sollte. Die spanisch sprechenden Bewohner selbst nennen ihre Stadt übrigens Ciudad de México.
Dasselbe gilt übrigens auch für Kuweit City und Panama City, die nicht kleiner oder hässlicher werden, wenn man sie Kuweit-Stadt und Panama-Stadt nennt. Ho-Tschi-minh-Stadt und Vatikanstadt sind von der City-Mode bislang noch verschont geblieben.

[m] Mund-zu-Mund-Beatmung/Mundpropaganda

Es gibt Mund-zu-Mund-Beatmung und Mundpropaganda, aber keine Mund-zu-Mund-Propaganda. Das wäre auch keine sinnvolle Form der Kommunikation. Mehr Erfolg verspricht es, seinem Gegenüber ins Ohr statt in den Mund zu sprechen.

[n] neu renovieren/renovieren

Die Aussage "Ich habe die Wohnung neu renoviert" enthält einen Pleonasmus. Pleonasmus nennt man einen inhaltlichen Zusatz zu einem Wort oder einer Wendung, der überflüssig ist. Weitere Beispiele: weißer Schimmel, alter Greis, kleiner Zwerg, kahle Glatze, Gesichtsmimik, weiter fortfahren, lautlose Stille, persönlich anwesend, vollendete Tatsachen.

[n] nichtsdestotrotz/trotzdem

"Nichtsdestotrotz" ist eine mit Luft gefüllte Dreikomponentenhülse, die es dank massenhafter Verbreitung zu einem Eintrag im Wörterbuch gebracht hat, wenn auch mit dem dahinter stehenden Vermerk "ugs." (umgangssprachlich). Im gepflegten Deutsch sind nach wie vor die Begriffe "trotzdem", "wenngleich" und "obwohl" zu bevorzugen. Die Wörterbücher kennen übrigens auch die nichtimgeringsten kürzeren Wörter "nichtsdestoweniger" und "nichtsdestominder".

[n] Nullachtfünfzehn/08/15

Der Ausdruck 08/15 geht zurück auf die Typenbezeichnung eines deutschen Maschinengewehrs, das im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Durch den permanenten Drill an dieser aus 383 Einzelteilen bestehenden Waffen wurde 08/15 unter Soldaten zum Synonym für tägliche Routine, für etwas, das nichts Besonderes war. Im Zweiten Weltkrieg kamen die Maschinengewehre erneut zum Einsatz, galten aber als antiquiert, sodass 08/15 auch noch die Bedeutung "veraltete Massenware" und "Durchschnitt" erhielt.

Fortsetzung folgt...

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. November 2009 11:44

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